Schönheitsfleck Barock

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Von Harald Berlinghof

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Schönheitsflecken: Flirten mit Fliegen  svz.de

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Barockes Mitmachtheater - Weil am Rhein - Badische Zeitung

Barockes Mitmachtheater – Weil am Rhein – Badische Zeitung | Schönheitsfleck Barock

Schönheitsflecken: Flirten mit Fliegen  svz.de

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Schwetzingen. Zwischen dem Heidelberger Königstuhl und dem Pfälzer Kalmit liegen 45,9 Kilometer Distanz. Irgendwo auf halber Strecke liegt die Spargelstadt Schwetzingen – und dort die barocke Sommerresidenz von Kurfürst Carl-Theodor und seiner Gattin Elisabeth-Auguste. Exakt auf dieser Luftlinie zwischen den beiden Berggipfeln befinden sich auch die Mittelachse des Schwetzinger Schlossgartens und die davor liegende Carl-Theodor-Straße, die einst noch Kurfürst Carl-Ludwig als alte Maulbeerallee anlegen ließ. Kerzengerade weiter geht es von dort zur Franz-Knauff-Straße in Heidelberg, die in dringendem Verdacht steht, ein Teil dieser “barocken Sichtachse” vom Kalmit zum Königstuhl gewesen zu sein, auf der einst auch Lieselotte von der Pfalz gelustwandelt ist.

Das Zeitalter des Barock, das ab dem kommenden Sonntag die Region beherrschen wird (siehe auch heutiges Feuilleton), ist mehr als nur Puder, Perücken und höfische Etikette. Dies soll durch eine große Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen mit dem Titel “Barock – Nur schöner Schein?” und darüber hinaus mit Projekten in 41 Städten und Gemeinden der gesamten Region gezeigt werden. Der venezianische Herzensbrecher Casanova, Ludwig XVI, Versailles und das Schwetzinger Schloss gehören genauso zu der Zeitepoche dazu wie das Menuett, der Maskenball, die Astronomie und die Naturwissenschaften. Revolution und Aufklärung erschienen damals am Horizont.

Barock für Kinder

Barock für Kinder | Schönheitsfleck Barock

Unter Kurfürst Carl-Theodor erlebten Mannheim und die Kurpfalz ihr “goldenes Zeitalter”. Er gründete unter anderem das Mannheimer Nationaltheater und die Akademie der Wissenschaften. Er engagierte bedeutende Gartenbauarchitekten wie Nicola de Pigage und einen der wichtigsten Astronomen seiner Zeit, Christian Mayer. Direkt auf dem Dach des Schwetzinger Schlosses errichtete der seine erste Starenwarte in der Region: Unmittelbar über dem Schlafzimmer des Kurfürsten, der des nachts bei klarem Sternenhimmel gelegentlich heimlich hinauf stieg, um dem Sterngucker bei seiner Arbeit zuzusehen.

Der spätbarocke Herrscher galt als Förderer der Künste, insbesondere der Gartenkunst, der Plastik und der Musik. Er gründete als Meilenstein der Musikentwicklung den von Mozart hoch gelobten Musikerkreis der so genannten Mannheimer Schule. Als überzeugter Katholik war er sich nicht zu schade, in seinem Schlossgarten eine Moschee errichten zu lassen, die bis heute, auch wenn sie kein geweihtes muslimisches Gotteshaus ist, eines der architektonischen Meisterwerke des Gartens darstellt.

Die barocke Lebenswelt in Schwetzingen findet bis heute ihren Ausdruck in historischen Monumenten, die von der höfischen Etikette, vom eingebildeten Adelsverdikt, aber auch von kultureller Offenheit sprechen. Neben Sternen-Teleskopen regierten auch im Schwetzinger Schloss das Plumpsklo und Toilettenstühle, in deren Sitzfläche ein Nachttopf eingearbeitet war. Barocke Schlösser von Versailles bis Schwetzingen hatten keine Badezimmer oder Toiletten.

Neben dem mit Halbedelsteinen prunkvoll geschmückten privaten Badhaus des Kurfürsten bestimmte die halbmeterhohe Puderperücke mit unverzichtbarem Kratzstock das Bild der Höflinge. Kratzen statt Waschen, Parfüm statt Wasser und Seife, dafür die Flohfalle im Mieder und den aufgeklebten Schönheitsfleck am Kinn. Chinesisches Porzellan, Feigen aus Nordafrika und Lappen-Treibjagden vertrieben die Langeweile.

Neben Spiel und Vergnügen gab es für Carl-Theodor auch leidige Pflichten. Dazu gehörten die ungeliebten Hofzeremonielle des “lever” ( Aufwachen) und des “coucher” (Zubettgehen). Dabei wurde der Kurfürst allmorgendlich vom engeren Hofstaat aus dem Bett geholt. Eine Privatsphäre gab es für ihn nur an ausgewählten Orten und zu festgelegten Stunden. Das war die Welt des Spätbarock.

Von all diesen Dingen werden ab Sonntag auch die Reiss-Engelhorn-Museen und 41 Orte aus fünf Bundesländern sprechen. Darunter die Barockstadt Mannheim, die Residenzstadt Bruchsal, die barocke Mittelalterstadt Heidelberg – und natürlich die Sommerresidenz Schwetzingen. Bereits am kommenden Wochenende wird mitten in Ludwigsburg ein Maskenball im Stil einer venezianischen Messe veranstaltet.

Info: www.barock2016.de

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