Schöne Frau Funktion Xavier

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Wissen Sie, warum Xavier Naidoo Deutschland nicht beim Eurovision Song Contest vertreten durfte? Weil er sich für den Frieden und gegen die Spaltung der Gesellschaft eingesetzt hat. Und ein Lied gegen Kinderschänder gemacht hat.

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Judith Holofernes Aktuell: News Der FAZ Zur Sängerin Schöne Frau Merkmale Xavier

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Das fanden ahnungslose, böse Journalisten rechtspopulistisch und homophob, und deshalb haben sie eine unfassbare Hetzkampagne gegen diesen Sänger losgetreten, obwohl er der allerbeste Sänger ist, den Deutschland hat, und überhaupt der allerallerbeste Sänger, der Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten könnte.

So war das im vergangenen Jahr. Wenn man der „Xavier-Naidoo-Story“ glaubt, die gestern Abend auf Vox lief.

Nun ist es vielleicht ein Fehler, diese Sendung als das zu behandeln, als das sie der RTL-Schwestersender ausgibt: eine Dokumentation. Diese „Storys“ laufen immer nach der Coversong-Show „Sing meinen Song“ und sind ein Werbegeschenk für die teilnehmenden Künstler. Die Moderatorin Jeannine Michaelsen spielt darin eine Journalistin, die den Portraitierten Fragen stellt.

Es sind natürlich keine Sendungen, die sich den Geschäftspartnern und Werbegesichtern von Vox kritisch nähern. Doch auch unter diesen Voraussetzungen ist die Art, wie die „Xavier-Naidoo-Story“ den Konflikt um die ESC-Teilnahme des Mannheimer Sängers darstellt, von besonderer Unverfrorenheit.

Sie stellt Naidoo vor als einen, „der polarisiert wie kein anderer Musiker in Deutschland“, hat aber ausschließlich Menschen von einem der beiden Pole vor der Kamera. Die sind sich alle einig, dass Naidoo unglaublich großartig ist. Strittig ist nur, ob eine Veranstaltung wie der Grand-Prix einen so großartigen Künstler wie ihn überhaupt verdient hat.

„Der NDR wollte, nach den Flops für Deutschland, einfach nur den besten Sänger“, sagt die Off-Sprecherin und führt dann Jan Feddersen als den „offiziellen ESC-Experten der ARD“ ein. Feddersen spielt seit Jahren eine erstaunliche Doppelrolle als vermeintlich kritischer „taz“-Journalist einerseits und oberster Grand-Prix-Propagandist in Diensten des NDR andererseits.

Feddersen sagt:

Der NDR probiert, völlig zu Recht, immer die Allerbesten zum ESC zu schicken.

Die zwei Allerbesten, Größten, die es momentan überhaupt in Deutschland gibt, das sei völlig klar, sind Helene Fischer und Xavier Naidoo. Feddersen weiter:

Ich dachte, es gibt politischen Ärger, das war sonnenklar, und muss sagen, ich fand es gerade deshalb eine so großartige Entscheidung, dass man sich offenbar auf Xavier Naidoo verständigt hatte. Und dass der Künstler – mit großem Abstand seit zehn Jahren der erfolgreichste Pop-Act im deutschsprachigen Raum – dass der den Mut hat, zum ESC gehen zu wollen.

Auch Naidoo sagt, er habe natürlich gewusst, „es wird einen Riesen-Shitstorm geben“.

Flirtexperte: Die Deutsche Frau – "groß, Blond, Schön, Unsexy" WELT Schöne Frau Merkmale Xavier

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Sprecherin: „Bereits ein Jahr vor dem ESC hatte sich die Presse auf Naidoo eingeschossen. Mehrfach hatte er sich für den Frieden und gegen die Spaltung der Gesellschaft eingesetzt.“

Naidoo (auf der Bühne bei einer Demonstration): „Ich möchte aber auch, dass es bitte bitte bitte keinen Krieg mehr gibt.“

Sprecherin: „Rechtspopulistisch sei das, schrieben die Medien.“

So einfach ist das. Kein weiteres Wort verliert die Dokumentation darüber, wie „die Medien“ zu diesem erstaunlichen Urteil kamen. Naidoo ist für den Frieden, und „die Medien“ erklären ihn zur Unperson.

Vox verschweigt, auf was für Demonstrationen Naidoo auftritt. Der kurze Ausschnitt ist aus seinem Auftritt bei den „Friedensaktivisten Berlin“, denen er auf der Bühne sagt, er habe „größten Respekt“ vor ihner Arbeit. Sie kommen aus dem Umfeld des extrem rechten Verschwörungstheoretikers Jürgen Elsässer, der bei der selben Veranstaltung spricht.

Vorgestellt wird Naidoo mit den Worten: „Der Mann ist ein Deutscher. Und das ist gut so.“ Am selben Tag hatte er auch schon den Reichsbürgern einen Besuch abgestattet, die – wie offenbar er – nicht an die Existenz eines souveränen Staates Bundesrepublik Deutschland glauben. Er trägt ein T-Shirt mit den Worten „Freiheit für Deutschland“, das Elsässer und seine Anhänger in ihm einen Verbündeten erkennen lässt.

Man kann – vielleicht – darüber streiten, wie Naidoos Arm-in-Arm-Auftritt bei solchen Leuten einzuschätzen ist. Aber ihn darauf zu verkürzen, dass er sich für den Frieden eingesetzt habe, und zu suggerieren, er sei allein dafür von den Medien als rechtspopulistisch beschimpft worden, ist in hohem Maße irreführend. Die Vox-Doku benutzt nicht das Wort „Lügenpresse“, aber es steht im Raum.

Doch Kritiker hatten an Naidoo ja noch mehr auszusetzen, und die Vox-Doku fasst das so zusammen:

Als er und der Rapper Savas ein Lied gegen Kinderschänder machten, nannte man sie homophob, weil Homosexuelle das auf sich bezogen. Gegen Naidoos erklärte Absicht.

Wie mögen Homosexuelle wohl darauf gekommen sein, das Kinderschänder-Lied auf sich zu beziehen? Könnte es etwas mit Zeilen zu tun haben wie: „Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist“? Im Kontext:

„Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann fick ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Nun kann man auch hier darüber streiten, ob die Kritik an Naidoo berechtigt ist; ob es sich nicht um Rollenprosa handelt (und „Führer“, mei, das kann ja alles bedeuten).

Aber Vox nennt nicht einmal den Grund, warum Homosexuelle diese Zeilen auf sich bezogen (oder genauer: warum Menschen diese Zeilen auf Homosexuelle bezogen). Die Dokumentation manipuliert die Vorgänge so, dass die negative Reaktion als genauso abwegig und unerklärlich erscheinen muss wie die auf Naidoos Friedensengagement.

Die gleiche Methode verwenden die Filmemacher, um den Vorwurf des Antisemitismus gegenüber Naidoo als grotesk erscheinen zu lassen. Sie erwähnen nicht, dass Naidoo Texte sang, die antisemitische Klischees bedienten und verbreiteten:

„Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken /
Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken /
Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel /
Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel“

Wenn man, wie Vox, die Grundlage für die Kritik an Naidoo verschweigt, muss die Kritik an Naidoo natürlich irre wirken.

Mit trauriger Stimme referiert die Off-Sprecherin:

Tatsächlich kam es von der „Bild“-Zeitung bis zu den sogenannten seriösen Medien im Laufe von gerade mal 24 Stunden zu einer wahren Erregungsepidemie. Mit Naidoo schicke man einen rechtsextremen und homophoben Sänger nach Stockholm. Auch bei twitter – immer waren Journalisten ganz vorn dabei.

Ah. Oh:

Nachdem die Filmemacher die ganzen Anlässe für die Kritik an Naidoo herausoperiert haben, lassen sie Journalisten-Darstellerin Michaelsen den Sänger fragen:

Da gab es auch einfach wüstes Rumgeschimpfe. Was glaubst du, wo kommt der ganze Hass her?

Naidoo antwortet unter anderem:

Wenn eine Demokratie nicht aushält, dass ein kleiner Sänger aus Mannheim sein Maul aufmacht, dann ist die Demokratie auch nix wert.

Womit er mal eben die Demokratie in Deutschland abmoderiert hätte, was man ihm aber sicher wiederum nicht vorwerfen darf.

Dass die Demokratie das durchaus aushält, dass er sein Maul aufmacht, aber die Fernsehnation auch finden darf, dass er mit dem, was er sagt, vielleicht nicht „für Deutschland“ beim ESC singen müsste, sagt er natürlich nicht.

Es darf dann jeder noch einmal sagen, was für ein wunderbarer Mensch und Künstler Xavier Naidoo ist, und wie viel Unrecht ihm widerfahren ist: Herbert Grönemeyer, Jan Feddersen, Nena, Reinhard Mey, Jan Josef Liefers, Wolfgang Niedecken, Udo Lindenberg.

Und Xavier Naidoo sagt noch:

Wenn man kleine Teile aus etwas herausnimmt, kann ich auch Jesus zu einem Hassprediger werden lassen.

Vox hat sicherheitshalber große Teile herausgenommen, um Naidoo zu Jesus werden zu lassen.

Autor der Schmieren-Dokumentation ist Harold Woetzel, der in den vergangenen Jahren zum Haus- und Hof-Filmer Naidoos geworden ist. Er hat nicht nur 2015 in einer vierstündigen Vox-Reportage Naidoo ins beste Licht gesetzt. Er drehte auch schon 2013 eine ARD-Dokumentation über Naidoo in der Reihe „Deutschland, Deine Künstler“ und 2014 ein Portrait für den SWR.

Woetzel sei so nahe „dran“ an Naidoo wie kaum ein anderer Journalist, schrieb der Sender damals. So kann man es natürlich auch formulieren.

„Die Xavier-Naidoo-Story 2016“ in der Vox-Mediathek

Nachtrag, 31. Mai. In einem Gastbeitrag auf kress.de antwortet Filmemacher Woetzel: Er finde seine Doku „sorgfältig, informativ, neu, unterhaltsam, gut“. Um die Kritik an Naidoo zu wiederholen, sei ihm „die wertvolle und begrenzte Sendezeit einfach zu schade“ gewesen. Er habe sich für diese Naidoo-Dokumentation „ganz bewusst“ entschieden, „eine ähnlich grobe Holzschnitzversion zu wählen, wie es die Anwürfe und Unterstellungen gegen ihn vorgemacht haben“.

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