0

Schöne Augen Pdf

Schöne Augen Pdf

Wiederum ein Beispiel. Als Harry Graf Kessler über ein Jahrzehnt lang sein Projekt verfolgte, ein Pressendruck von Shakespeares Hamlet zu veranstalten, führte ihn das nicht allein dazu, in seiner eigenen Papierfabrik ein unvergleichliches Bütten herzustellen und von Edward Johnston eine eigene Hamlet-Fraktur schneiden zu lassen. Kessler wollte auch, daß der Text einzigartig sei, somit der Inhalt des Pressendrucks. Und dies durch zwei Schritte, einen künstlerischen und einen wissenschaftlichen: Bei dem Dichter Gerhart Hauptmann gab er eine neue Übersetzung des Hamlet in Auftrag, von dem führenden englischen Literaturwissenschaftler J. Dover Wilson ließ er eine kritische Textversion des Second Quarto erstellen. Ebenso betraute die Bremer Presse, als sie eine fünfbändige Ausgabe der Bibel drucken wollte, einen führenden Wissenschaftler, Carl von Kraus, damit, den Luthertext zu emendieren. Auch dies blieben Ausnahmen. Aber sind Ausnahmen nicht oft das eigentlich Belebende und Bedeutende? Jedenfalls dürfen feststellen: Der Pressendruck forderte nicht nur „Schönheit“, sondern immer wieder auch, ergänzend und unterfütternd, Wissenschaftlichkeit, „Wahrheit“.

Ein letzter Gedankengang. Diese Möglichkeit, daß die Form den Inhalt dominiere, mag ein bezeichnendes Phänomen darstellen, stellt aber für Buchhändler oder Bücherfreund zuerst einmal, seien wir ehrlich, ein befremdendes dar. Warum? Ich denke, aus zwei Gründen, einem psychologischen und einem historischen.

Die Psychologie des Mitteleuropäers, vor allem des Deutschen, verleitet ihn eindeutig dazu, dem Inhalt vor der Form den Primat zu verleihen. Bei Zeus, hat ein in unseren Tagen hochgelobter Schriftsteller, dessen Name mir zum Glück entfallen ist, gerufen, es sei ihm doch völlig gleichgültig, in welcher Form, auf welchem Papier oder in welcher Schrift er ein Gedicht Goethes lese – der Text, der Inhalt sei alles, und wenn auch nur ein Reclam-Bändchen den Rahmen abgäbe! Und, bei Zeus, mögen nicht wenige unter den anwesenden Antiquaren denken, wie bedeutend, weil bereichert und bereichernd, fühle ich mich mit meiner Erstausgabe einer Dichtung Goethes! Was soll mir denn der elfte oder der zwölfte Pressendruck dieses doch „an sich“ kostbaren Textes! Mag dieser Pressendruck auch seinen unverdient hohen Preis erzielen, der Wert meiner Ausgabe ist doch der höhere, der allein bedeutende, der eigentlich ernstzunehmende…

Wer so denkt und fühlt, hält die Kategorie der Form und deren bestechendste Ausprägung, die Schönheit, für etwas im genauen Sinne des Wortes „oberflächliches“. Und damit das beautiful book und dessen schönste Blüte, den Pressendruck. Ein solcher Denkansatz entspricht, wie bereits angedeutet, gerade der Mentalität des Deutschen, der eine Sache immer gerne „an sich“ – also gerne moralisch und nur zögernd ästhetisch – auffaßt. Der mediterrane Mensch faßt ein „Ding“ völlig anders auf. Er läßt sich gerne hinreißen durch die Form, d. h. die glücklich gestaltete Oberfläche, d.h. die Schönheit eines Dings, das ihm allein durch seine Schönheit etwas „bedeutet“.

Ein zweiter Aspekt: der historische. Ich vertrete die These, daß die Generation der Kessler und der van de Velde, der Wiegand und der Kleukens, ja die der Hofmannsthals und der Rilkes – beide Dichter nahmen intensiven Anteil an der Gestaltung ihrer Werke –, daß diese Generation, die um 1900 den Frühling einer Moderne zu spüren glaubte, ohne zu ahnen, daß der Winter eines Weltkriegs und damit der ihnen vertrauten Kultur bevorstand, – ich glaube, daß diese Generation die letzte gewesen ist, die noch „Schönheit“ als einen Leitbegriff, als ein Ideal empfand. Henry van de Velde, unter den Künstlern und Kunsthandwerkern jener zwei Jahrzehnte wie erwähnt ein Führer in die Moderne, bekannte ausdrücklich gegenüber Kessler, es sei letztlich die Schönheit, die sein Werk bestimme. Somit bekräftigte er Shaws Apotheose des beautiful book und dessen großartigster Ausprägung, des Pressendrucks.

Führen wir uns vor Augen, daß diese Vorstellung, die „Schönheit“ sei das Ideal, die Impressionisten der vorangegangenen Generation wohl nicht verwundert hätte, sicherlich aber die Expressionisten der folgenden Generation. Verfocht diese Gruppe für ihre Weltsicht den Primat des Ausdrucks, so verfocht seit Kriegsende eine andere Bewegung das Ideal der Nützlichkeit, milder: der Sachlichkeit. Niemand hat das damals klarer formuliert als ein führender Schriftkünstler, Jan Tschichold, der sich eindeutig zu der Formel bekannte, sein Ideal jedenfalls sei die Sachlichkeit und keinesfalls die Schönheit. Und somit gehorchte seit den zwanziger Jahren nicht nur ein Stuhl oder ein Tisch, sondern auch ein Buchstabe oder ein Buch, gestaltet etwa von einem Künstler des Bauhauses, einem anderen Gesetz als ein Pressendruck. Kein Wunder, daß in einem seit dem ersten Krieg auf Sachlichkeit ausgerichteten Jahrhundert – auf eine Sachlichkeit, welche nicht zuletzt die Maschine forderte und die jetzt Künstler für die Maschine forderten –, daß mit dem Ende der zwanziger Jahre der Pressendruck an Bedeutung verlor.

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben. So beginnt eines der schönsten Sonette August von Platens, ein Gedicht, das Henry van de Velde sich auf jeder seiner Reisen über das Bett heftete. Der Vers bezeichnet das Ideal und das Schicksal des Pressendrucks, der auf seinem schmalen Feld wohl ein letztes Mal in der abendländischen Kulturgeschichte Schönheit als höchstes Maß der Kunst und damit des Lebens feierte. Hierin liegt für mein Verständnis die wichtige, ja – wenn wir Shaws Freude an der Übertreibung teilen dürfen – einzigartige Bedeutung des Pressendrucks: nicht nur für die Geschichte des Buchs, sondern für die Geschichte unserer Kultur.

Catalogue:

Mit einem bio-bibliographischen Abriss der Pressen und ihrer Protagonisten von Theo Neteler. Katalogteil von Christian Hesse, Fotografien von Grit Hesse. Verband Deutscher Antiquare e.V., 2015. 84 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen. Englische Broschur.

>>> Order it now

Schöne Augen Pdf

Mode & Schönheit Wunderschöne Make-Up-Inspirationen Für Schöne

Mode & Schönheit Wunderschöne Make-Up-Inspirationen Für Schöne | Schöne Augen Pdf

fresh face  Eye makeup, Bronze makeup, Gorgeous makeup

fresh face Eye makeup, Bronze makeup, Gorgeous makeup | Schöne Augen Pdf

Stupendous Free Printable Password Organizer Pdf  Maquillaje de

Stupendous Free Printable Password Organizer Pdf Maquillaje de | Schöne Augen Pdf

James Warnock

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *