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Die Schöne Frau Taugenichts

Die Schöne Frau Taugenichts

Der Dichter Joseph von Eichendorff gilt als der Romantiker schlechthin, zumindest ist er der populärste. Dabei war ihm sein Beruf als Jurist stets wichtiger als die Poesie. Mondlicht, Schlossruinen, Hörnerklang, Waldesrauschen und geheimnisvolle Schöne beherrschen die Szenerie in seinen Novellen und Gedichten. Sehnsucht treibt die Helden in immer neue romantische Gefilde.

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Deutsches Textarchiv – Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben

Deutsches Textarchiv – Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben | Die Schöne Frau Taugenichts

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Das Werk Joseph von Eichendorffs (1788-1857), geboren vor 225 Jahren, am 10. März 1788, auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien, scheint wie aus der Zeit gefallen. Literaturwissenschaftler wie der Spätromantik-Experte Wolfgang Nehring haben darauf hingewiesen, dass gerade dies Unzeitgemäße und Märchenhafte aber auch einen Zugang für heutige Leser offenhält. Die literarischen Motive des Aufbruchs, des Reisens und der Sehnsucht dürften so aktuell sein wie eh und je. In dem wohl bekanntesten Prosawerk Eichendorffs, der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826), stehen Freiheitsdrang und Fernweh, Naturbegeisterung und die Poesie selbst im Mittelpunkt:

Der Held lebt unbekümmert in den Tag hinein, gibt sich seinen Gefühlen und Träumen hin und scheint sich um weltliche Güter wie Besitz nicht zu sorgen. Indem er aus der kleinbürgerlichen Enge ausbricht, wird der Taugenichts zur klassischen Figur der Romantik. Und doch wird das Geheimnisvolle durch eine gehörige Portion Ironie und Realitätssinn geerdet: Der Taugenichts glaubt, eine für ihn unerreichbare Gräfin zu lieben, um die sich alle rätselhaften Verwicklungen zu drehen scheinen. Doch am Ende entpuppt sie sich als Waisenkind, das der Portier ins Schloss brachte. Einem märchenhaften Happy End steht nichts mehr im Wege. Für den Spätromantiker ist typisch, dass die Illusion als solche entlarvt wird.

AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS: ZUSAMMENFASSUNG - Docsity

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Novalis (1772-1801), der Theoretiker der Romantik, strebte noch eine „Romantisierung der Welt“ durch die Poesie an. Eichendorff sieht solche Mystifizierungen skeptisch; das wirkliche Leben gilt ihm mehr. Der Freiherr lebte selbst im Spagat zwischen Broterwerb und Dichtkunst, wobei er seinem Juristenberuf stets Vorrang einräumte. Wie ja auch „Die zwei Gesellen“ in dem später von Franz Schubert vertonten Gedicht von 1818 „Was Rechts in der Welt vollbringen“ wollen.

Eichendorff tritt nach einem Studium der Rechtswissenschaft 1813 ins preußische Heer ein und nimmt am Befreiungskrieg gegen Napoleon teil. Als preußischer Beamter geht er nach Breslau, wo er 1815 Luise von Larisch heiratet. 1841 wird er Geheimer Regierungsrat in Berlin. Er stirbt 1857 in Neiße in Oberschlesien.

Schon 1815 erscheint sein erster Roman, „Ahnung und Gegenwart“, 1826 die Novellen „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und „Das Marmorbild“, 1834 die Erzählung „Die Dichter und ihre Gesellen“. Zudem verfasst er literaturhistorische Abhandlungen, die im Zeichen eines starken konservativen Nationalgefühls und kulturkritischen Katholizismus stehen. Vor allem beklagt er, dass die Ideen der Französischen Revolution die rechte religiöse Gesinnung zerstört hätten. Glaubten die frühen Romantiker, mittels der Kunst das politische Leben umgestalten zu können, zieht Eichendorff dies nie in Betracht. Seine Dichtung ist das Werk eines gläubigen Katholiken, der sich zuletzt bei Gott geborgen weiß. Seine Naturbeschreibungen sind ein Gesang auf die göttliche Schöpferkraft; besonders seine Lyrik lebt aus tiefer Religiosität.

Eichendorffs rigider Katholizismus wirkt heute oft befremdlich, besonders im Blick auf das traditionelle Frauenbild: Die schöne, kluge und vor allem unabhängige Frau – Romana in „Ahnung und Gegenwart“ – ist zugleich auch die Sinnlich-Verführerische und damit dem Untergang Verfallene. Dichterinnen fanden bei ihm keine Gnade. Und doch gelingt es Eichendorff, in seiner Kunst Moral und geistige Enge hinter sich zu lassen. Diese „Qualität“ Eichendorff’scher Gedichte preist etwa der Philosoph und Sozialkritiker Theodor W. Adorno (1903-1969), um den Dichter gegen jeden Kitschverdacht in Schutz zu nehmen. „Eichendorff ist kein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs, nicht des erfüllten Augenblicks, sondern der Sehnsucht“, schreibt der Philosoph Rüdiger Safranski.

Der schmerzliche Verlust der Familiengüter in Schlesien ist wohl der biografische Hintergrund, wenn Eichendorff grüne Wälder und hohe Schlösser besingt. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ oder „Oh Täler weit, oh Höhen . . .“ sind zugleich Gedichte, die sich aus einem großen Gottvertrauen speisen. In ihrer ebenso einfachen wie kunstvollen Sprache wurden sie zu Kunst- und Volksliedern. Text: EPD

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James Warnock

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