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Cosmopolitan Schönheitsideal

Cosmopolitan Schönheitsideal

Als mich heute Abend ein Kommilitone auf diesen wunderbaren taz-Artikel stieß, war ich zunächst nur eins: hingerissen! Hingerissen von diesen wohlrecherchierten, weltverbessernden Fakten, die Margarete Stokowski hier für uns aufbereitet hat. Das ist Journalismus, der seiner gesellschaftlichen Aufgabe gerecht wird! Da liest man mit Lachen und Tränen in den Augen und wird nach dem letzten Satzpunkt wie von einer Welle ergriffen, die dazu zwingt, sofort und kompromisslos über den Verursacher herzuziehen. So liebe ich das – wenn ideologisch aufgeladene Gutmenschen endlich die Missstände unserer Gesellschaft aufdecken und dabei Würde – nicht zuletzt ihre eigene – schamlos durch den Dreck ziehen. Als bekennender ideologischer Gutmensch muss ich Frau Stokowski selbstverständlich ohne zu zögern beistehen und ihr weitere Grütze ins Gesicht reiben. Möge das Entsetzen also beginnen…

Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick und dünn

Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick und dünn | Cosmopolitan Schönheitsideal

4 - 4  Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick

4 – 4 Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick | Cosmopolitan Schönheitsideal

4er  Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick und

4er Schönheitsideale von damals bis heute: Durch dick und | Cosmopolitan Schönheitsideal

„Faschismus auf Hochglanzpapier“ heißt der fachmännische Kommentar über Frauenmagazine, das mich heute so bewegt. Es geht also um Faschismus. Interessant, interessant. Welche Art von Faschismus liegt wohl vor, in den Banalitätensammlungen, die man gewöhnlich beim Gynäkologen seines Vertrauens vorfindet? Die Definition, die Frau Stokowski offenbar für diesen Begriff entwickelt hat, wird sich aus der Lektüre noch hervortun und durch seine unkonventionelle, moderne Interpretation der Materie überraschen. Sehen wir zunächst, wofür der Begriff „Faschismus“ für gewöhnlich verwendet wird. Der Duden spricht von: „1. Von Mussolini errichtetes Herrschaftssystem in Italien (1922-1945)“. Nun gut, das trifft hier wohl kaum zu. Das Faschismusverständnis hat sich schließlich insbesondere durch den Nationalsozialismus in unseren Köpfen stark erweitert. Sehen wir weiter:

„2. a. (Politik) nach dem Führerprinzip organisierte, nationalistische, antidemokratische, rechtsradikale Bewegung, Ideologie

b. (Politik) auf dem Faschismus basierende totalitäre Herrschaftsform“

Was also findet Frau Stokowski an Magazinen so faschistisch? Ich möchte mich auf die Suche nach dem Führerprinzip, dem Nationalsozialismus und der antidemokratischen, rechtsradikalen Haltung machen, die der Artikel aufzudecken verspricht.

„Jemand, der eine Frau anspricht, weil ihre Fußnägel nicht lackiert sind, der ihr sagt, ihr Körper sei eine Sünde, der ist vielleicht krank oder paranoid. Diese Krankheit, auf Hochglanzpapier gedruckt und mit vielen bunten Bildern versehen – das ist der Inhalt von deutschen Frauenzeitschriften im Jahr 2012“

Ein wunderbarer Aufhänger, nicht wahr? Wenn mir jemand auf dem Weg durch die Fußgängerzone sagen würde, ihm passe meine Fußkosmetik nicht, dann würde ich wohl zunächst lachen. Nachdem ich dem einiger Zeit nachgegangen wäre, würde ich das Ereignis dem nächstbesten Bekannten erzählen, dem ich begegne, damit das Tageserlebnis aufgewärmt wird und ich weiterhin aus tiefster Seele darüber lachen kann. Aber gut, zugegeben: Geistige Vollmacht würde ich dem Menschen, der mir diesen Spaß beschert hat, nicht zugestehen. Ein Magazin, das von Nagellack schwärmt, finde ich hingegen ziemlich normal. Weshalb? Nun, stellen wir uns mal ein ganz ähnliches Szenario vor, in dem das Magazin durch eine Tageszeitung ausgetauscht ist. Es kommt also eine wildfremde Person auf sie zu, Entrüstung steht in ihr Gesicht geschrieben, und fragt vorwurfsvoll: „Haben SIE etwa die NPD gewählt? Das Wahlergebnis ist entsetzlich!“ Oder wie wäre es mit: „Ich habe den Eindruck, Sie sind gegen die Frauenquote. Was fällt Ihnen eigentlich ein, sie widerwertiger Sexist?“ Das sind sonderbare Ereignisse; man erwartet nicht, von Fremden auf solche Themen angesprochen und sogar durch sie direkt beurteilt zu werden. Wenn ein (fremder) Journalist aber einen Beitrag darüber schreibt, ist es nicht sonderbar. Und weshalb? Weil es sich eben um gesellschaftliche Themen handelt, die in der Öffentlichkeit – wenn auch fern vom Einzelnen – besprochen werden. Ich glaube nicht, dass Nagellack da einen wesentlichen Unterschied zur Frauenquote macht. Dass Ästhetik im kollektiven Bewusstsein eine Rolle spielt, wird wohl kaum einer leugnen wollen. Ob man sich selbst für diese Themen interessiert ist hingegen eine völlig andere Sache. Interessieren sich gute Menschen nur für Politik? Interessieren sich schlechtere Menschen mehr für ihr Äußeres? Eine gewagte These für eine Feministin. Denn genau darum geht es: Was in Zeitschriften publiziert wird, spiegelt nun mal wider, was die Menschen interessiert. Aber diese Interessen sind scheinbar krank, wenn man diesem Artikel Glauben schenken will.

„Und ja, deutsche Frauenzeitschriften zeigen fast nur europäische, weiße, dünne Frauen mit langen Haaren. Geschenkt, das ist keine Entdeckung.“

Photoshop-Projekt: So sieht die „perfekte Frau“ in 4

Photoshop-Projekt: So sieht die „perfekte Frau“ in 4 | Cosmopolitan Schönheitsideal

Oho! Da haben wir ja schon fast unseren Nationalsozialismus. Wirklich dreist, was die Magazine sich das erlauben: Sie zeigen Frauen, die in ihrem Typ jenen Frauen ähneln, die zum Leserkreis gehören. Verrückte Sache. Weshalb identifizieren europäische, weiße Frauen sich nicht optisch mit afrikanischen, schwarzen Frauen? Ich schätze, das könnte damit zusammenhängen, dass der optische Eindruck nun einmal der einzige ist, den man von einem bloßen Foto, das Modeerscheinungen zeigt, gewinnt. Es steht schließlich kein Artikel unter den Fotos, der beschreibt, was das dargestellte Model in seiner Freizeit tut und denkt. Der Käufer der Zeitschrift hat schlichtweg überhaupt keine Ahnung davon, wen er vor sich sieht. Was wird ihn an der Person also interessieren? Wohl nur das, was er mit sich selbst vergleichen kann, nämlich die Klamotten an seinem Leib, das Make-up auf seinem Gesicht, die Frisur…was weiß ich. Mit wem kann man sich als europäische, weiße Frau wohl am besten vergleichen? Vielleicht mit einer Afrikanerin?

„Dass aber auch in den Texten der Frauenzeitschriften mit hinterhältiger Penetranz menschenfeindliche, letztlich faschistische Botschaften verkauft werden, wird kaum thematisiert – und wenn, dann eher belächelt. Es gebe schließlich Wichtigeres als Fußnägel, Wimpern und Cellulite. Für Frauen, die sich als emanzipiert verstehen, sind Glamour, Joy oder Jolie höchstens lockere Unterhaltung. Oder irrelevant, vor allem wenn die Frauen nicht heterosexuell sind.“

Da taucht er schonwieder auf, der Faschismus. Er flutscht Frau Stokowski über die Tastatur, als wäre er in ihren Fingern vorprogrammiert. Für seine Begründung lässt sie uns allerdings weiterhin nur zwischen den Zeilen lesen. Aber mit Adjektiven soll man ja nicht sparen, wenn man unmissverständlich seinen Standpunkt vermitteln möchte. Das gelingt ihr fantastisch: Mit „hinterhältiger Penetranz“ arbeitet ihr Feindbild. Ohne Frage, besagte Frauenmagazine sind tatsächlich hartnäckig. Einst haben sie sich einen Themenbereich abgeknapst, zu dem sie gern ihren Senf geben wollten – und nun veröffentlichen sie MONATLICH(!) Artikel zu diesen Themen, die sie sich auf die Fahne geschrieben haben. Was fällt diesen Verlegern nur ein? Weshalb veröffentlichen diese Zeitschriften nicht mal einen Artikel über den Anbau von Sojasprossen? Ziemlich penetrant. Ein ganz ähnliches Problem ist mir bei Radiosendern aufgefallen. Immerzu spielen sie dieselben, erfolgreichen Lieder, die die Menschen hören wollen. Diese Faschisten!

Noch dazu sind die Botschaften hinter den Artikeln von „Jolie“ und co. „menschenfeindlich“. Ich bedauere, dass dies nicht näher ausgeführt wird. Welche Aussagen sind denn nun damit genau gemeint? Etwa, dass sie von Frauen erwarten, sich zu rasieren? Ja, wenn man sowas für schön hält, muss man Menschen wahrlich hassen. Täglich liest man von Übergriffen gestylter Frauen auf die unrasierte Elite. Wenn ich Frauen darüber reden höre, welche Kniffe sie zur eigenen Schönheitspflege anwenden, sehe ich regelmäßig, wie sie angewidert ausspucken, wenn das Thema sich zu alternativen Rasur-„Kulturen“ verirrt. Dann heißt es immer direkt: „Unrasierte Frauen verdienen keine Menschenrechte! Sie sind niederträchtig und sollten als Sklaven unsere Slips waschen.“ Und diese grässlichen Missstände werden niemals thematisiert. Verrückt, dabei handelt es sich um das dringendste, interessanteste Thema der Tage. Wir stehen schließlich kurz davor, dass die Verleger von Frauenmagazinen die Weltherrschaft übernehmen und alle Frauen zum neusten Nagellack zwingen. Was für ein Schreckensszenario – An den Schulen gäbe es sexistisch getrennten Unterricht, in dem Mädchen zur Selbstinszenierung und Jungs zum Macho-Dasein erzogen werden. Ich weiß nicht, ob diese Gefahr wirklich noch abgewendet werden kann, in so einer ignoranten Gesellschaft…

„Irrelevant kann es aber nicht sein, wenn sich Millionen von Frauen kontinuierlich erklären lassen, dass sie hässlich, fett und eklig sind.“

, …spricht Stokowski dazu und interpretiert für den Leser bereitwillig die Inhalte der verhassten Magazine, damit dieser sich nicht die Mühe machen muss, sich am Ende noch zu informieren. Dennoch wagte ich den Versuch und blätterte in den genannten Zeitschriften. Dabei fand ich folgende Artikel: „Welche Superheldinnen die besten Kostüme tragen und wer sie entworfen hat“, „Erste Eindrücke von der Make-up-Kollektion ‚Karl Lagerfeld for Shu Uemura‘“, „Lady Gaga wirbt nackt“, „Neuer Trailer zum letzten Teil von „Breaking Dawn“, „Märchenhafte Couture-Brautkleider“…Ich bin EMPÖRT! Aus jedem Artikel schreit mich eine Wertung meines Körpers an. Tief verletzt mache ich einen Termin zur Generalverbesserung aus. Nie habe ich mich so hässlich, fett und eklig gefühlt, wie als ich von Wonderwomens Designer gelesen habe.

„Aber: Emma und Missy Magazine haben eine Auflage von rund 70.000 beziehungsweise 20.000 Exemplaren und erscheinen vierteljährlich. Glamour, InStyle, Joy, Jolie und Cosmopolitan verkaufen von jeder Ausgabe 300.000 bis 500.000 Exemplare – monatlich.“

Eine der wohl größten Ungerechtigkeiten der Welt ist es, dass die meisten Frauen nicht gern „Emma“ und „Missy Magazin“ lesen. Die armen feministischen Kreuzritter haben nicht genug Geld, um die einzige Wahrheit zu propagieren, während die Bösewichte ihre Lügen fortwährend in die Welt schleudern. Das Staat sollte endlich eingreifen, damit die Frauen nicht mehr lesen, was sie lesen wollen, sondern…DAS RICHTIGE.

Um „demütigende, gewalttätige Botschaften“ geht es Stokowski auch weiterhin. Die Gewalt liegt wohl im Folgenden darin, dass Frauen, die wohl gern Oralsex hätten und sich über dessen „konventionelle“ Ausübung nicht allzu sicher sind, nicht darauf hingewiesen werden, dass sie es ja einfach lassen können. Denn was könnte besser sein, als wenn man Informationen zu heiklen Themen sucht und als Antwort „Lass es doch einfach“ erhält. – „Ich habe ein Problem mit Winamp“ – „Dann benutze doch einfach den Windows Media Player!“ Ach so! Wenn ich nun aber doch gern Winamp – oder Oralsex – hätte? Dass die Fragen, die sich betreffende Frauen zu diesem Thema stellen, etwas sonderbar sind, will ich nicht bestreiten. Aber es sind nun mal ihre Fragen, und dass sie auf diese verzichten können, wenn sie einfach auf Oralsex verzichten, ist bestimmt nicht die Art von Antwort, die sie sich erhoffen. Übrigens: eine Zeitschrift, die sich an heterosexuelle Frauen richtet, muss wohl kaum in jeder Zeile darauf achten, Homosexuelle in ihren Ausführungen zu bedenken. Oder schreiben Zeitschriften für Homosexuelle etwa über heterosexuellen Geschlechtsverkehr? Zum weiteren Abschnitt kann ich aufgrund mangelnder Lust, einen Jolie-Artikel über Schwule zu lesen, gerade keinen Senf beitragen.

„Es ist kein Zufall, dass in Frauenzeitschriften die Wörter „sollen“ oder „müssen“ häufig auftauchen und sich in nahezu jeder Ausgabe ein „Guide“ findet – ein Führer.“

Endlich stoßen wir wieder auf Faschismus, jetzt sogar mit einem waschechten Führer. Da kommt Frau Stokowski dem Duden ja endlich mal näher! Frauenzeitschriften sind also tatsächlich nach dem Führerprinzip aufgebaut. Führer hier, Führer da. Der eine Führer zwingt zum Oralsex, der nächste schreibt vor, wie man sich vor UV-Strahlen schützen soll…Entsetzlich. Selbstbestimmung ist ausgesetzt, die Leserinnen ordnen sich sogleich der „Beauty“-Diktatur unter und legen jede eigene Meinung ab. Frauen sind, so die Journalistin, fremdgesteuerte Wesen, die keinerlei eigene Meinung haben, nichts, was man ihnen vorsetzt, in Frage stellen und daher blind den Magazin-„Führern“ folgen. Da hat Hitler also all die Jahre gesteckt! Wer nun hier den Fehler macht – das Magazin, das die Ansichten seiner Autoren wiederspiegelt, oder die Leserin, die laut Stokowski zu dumm ist, selbst zu denken – ist mir allerdings unklar. Zum Glück klärt man mich auf. Böse sind nicht die, die Nachfrage für derlei erzeugen, sondern die, die diese stillen. „Beratung ist“ nämlich, so die Autorin, „eine tolle Sache. Wenn man sie aber nicht braucht, ist es Bevormundung.“ Unglücklicher Weise werden die Frauenmagazine an ihre Leserinnen zwangsverkauft. Wer sich weigert, sie zu lesen, bekommt Besuch von der zuständigen Geheimpolizei und bekommt das Schundblatt vorgelesen. Dass sich eben diese Frauen, die sich Beratung wünschen, diese Zeitschriften kaufen, das ist natürlich eine völlig absurde Vorstellung.

„Der einfache Trick ist, die Leserin auf ein Problem hinzuweisen, das sie womöglich hat, und zu erklären, wie sie es – in 5, 8 oder 33 Schritten – lösen kann. Die billigste Variante kapitalistischer Produktanpreisung.“

Und dort haben wir auch schonwieder das Prinzip der Nachfrage. Und ja, das System, das sie unterstützt: Der böse Kapitalismus. Wenn eine Frau meint, ein Problem zu haben, ist es völlig falsch, ihr diesbezüglich Tipps anzubieten und damit auch noch Geld zu machen. Es gibt also ein tatsächlich existierendes Problem, meinetwegen das eigene Körpergewicht, und es gibt das Bedürfnis, Hilfe zu bekommen. In diesem Fall sollte man der Person ein paar schöne Wollsocken stricken, das wird sie gewiss befriedigen. Ein ähnlich perfides Konzept wie Magazine verfolgen auch Anwälte. Sie helfen Menschen bei Rechtsproblemen und verlangen für ihre Arbeit auch noch Geld! Schweine.

„Genauso simpel ist das allgegenwärtige „Wir“ in den Zeitschriften, ein rhetorisches Mittel, das Boulevardmedien und KindergärtnerInnen gern nutzen. „Wir machen das so“ heißt: Wer es nicht so macht, gehört nicht dazu.“

Da muss ich ohne Widerrede zustimmen. „Wir“ bezeichnet nämlich die Leute, die das Magazin lesen und seine Thesen begrüßen. Ist es falsch von einer mehr oder minder homogenen Leserschaft als „wir“ zu sprechen? Wer es tatsächlich nicht so macht, wer das Magazin nicht kauft, weil er es blödsinnig findet, der gehört eben nicht zu diesem selbsterklärten Kollektiv, und ich bezweifle auch stark, dass er es gern möchte. Ich jedenfalls fühle mich nicht diskriminiert, weil ich nicht unter den Jolie-Leserinnen zusammengefasst werde.

„Ein Kollektiv zu konstruieren („wir, die Frauen“), das einem anderen gegenübersteht („sie, die Männer“), die Mitglieder dieses Kollektivs für unmündig und unzulänglich zu erklären und Lösungen für ihre vermeintlichen Probleme anzubieten – das alles sind Elemente faschistischer Ideologie. Neu an dieser Art von Führerkult ist die zusätzliche Verknüpfung mit kapitalistischer Verkaufslogik.“

Es ist so weit: Stokowski erbarmt sich, ihren Faschismusbegriff zu definieren. Frei nach ihren Worten möchte ich diese gern weiter ausmalen. Die faschistoide Gruppe, die Frauenzeitschrift-Leserinnen, werden von einem allmächtigen Diktator, dem Magazin, angeführt, der keinerlei Andersdenken zulässt. Als Feindbild haben sie sich die super-emanzipierten Feministinnen (auch „die Guten“ genannt) auserkoren. Sie planen bereits die Endlösung der Nicht-Rasierten-Frage. Ihr Rasiermus(s) ist eine pseudowissenschaftlich praktizierte Ideologie, die Menschen in gut und böse trennt. Angetrieben, verschärft und bösifiziert wird dieses radikale Kollektiv durch den Kapitalismus, dasjenige Wirtschaftssystem, das uns bereits seit Jahrzehnten fortwährend ins Unglück reitet.

Gut, dass man endlich mal darüber aufgeklärt hat. Andernfalls hätte ich nämlich vermutet, dass elitäre Feministinnen die Moral und die Wahrheit für sich reserviert haben und fortwährend einen Krieg gegen Frauen führen, die selbstbewusst genug sind, nicht an jeder Ecke die Unterdrückung durch das Patriarchat zu sehen. Und welcher Vergleich wäre zur Verleumdung willkürlicher Menschengruppen wohl besser, als die Faschismus-Geschichte? Die Hitler-Keule passt eben, laut einigen Leuten, auf jeden Kopf, der nicht dasselbe wirre Gemölter produziert, wie der eigene. Noch dazu ist „Faschismus“ einfach ein feiner Aufhänger, der jeden Zeitungsleser direkt aufhorchen lässt. Dramatisierung ist, im Gegensatz zu Hilfeversprechungen, überhaupt kein kapitalistischer Werbetrick, versteht sich. Aber natürlich hat Stokowski auch für ihre wilden Beschimpfungen noch eine fantastische Erklärung parat:

„Faschismusvorwürfe haben freilich eine gewisse Tradition im Feuilleton. Die Ehe und die Kleinfamilie, Facebook und Google, Fleischesser und Fußballfans: alle sind mal dran. Frauenzeitschriften waren von dieser Kritik bisher ausgenommen – unberechtigterweise.“

„Alle machen das, deshalb darf ich das auch! Außerdem habe ich Recht.“ Na, dann…Schön, dass Feministen freiwillig auf Würde verzichten. Die anderen müssen schließlich endlich mal deren grässliche Situation in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt verbessern….Und endlich soll jemand den normalen Frauen die Selbstbestimmung nehmen, ihren Lesestoff auszusuchen, damit sie – durch eine starke Hand, die alle Lösungen bereithält – auf den richtigen Weg kommen.

Endlich mündig geworden,

Fannika Unke

Cosmopolitan Schönheitsideal

James Warnock

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